Pininfarina


Battista
Pininfarina
Battista mit
Enzo Ferrari
Sergio
Pininfarina


Battista Farina wird am 2. November 1893 als zehntes von elf Kindern in Turin geboren, was ihm den Spitznamen "Pinin", piemontesisch für "der Kleine", einbringt. Er geht in der Karosseriewerkstatt seines Bruders Giovanni in die Lehre und reist 1921 nach Amerika, um die Fertigungsmethoden der Detroiter Ford Werke zu studieren. Dort trift er Henry Ford, der von ihm angetan ist und ihn schliesslich bittet, in Amerika zu bleiben um für die Ford Motor Company zu arbeiten. Farina zieht es jedoch vor nach Italien zurückzugehen. Der Besuch der Vereinigten Staaten war allerdings nicht umsonst – Farina ist beeindruckt von den Fertigungsmethoden und dem amerikanischen Unternehmergeist.

1930 gründet er die "S.A. Carozzeria Pinin Farina" den Vorläufer der heutigen "Pininfarina SpA" und macht sich einen Namen als Karosseriebauer. So entstehen unter anderem der Lancia Aprilia Aerodinamica und der Cisitalia 202 GT, der mit seinen innovativen Formen so außergewöhnlich ist, dass er kurz darauf als erstes Auto in die Sammlung des Museum of Modern Art in New York aufgenommen wird.

Lancia Aprilia Aerodinamica 1937 Lancia Aprilia Cabrio 1947

Mit dem Boom der italienischen Automobilindustrie nach dem zweiten Weltkrieg verändert sich die Arbeitsweise des Jungunternehmers. Statt individueller Einzelanfertigungen für wohlhabende Privatkunden widmet man sich dem Entwurf von Studien sowie der Entwicklung von Einzelmodellen, die von Großherstellern übernommen werden können.
Höchste technische und ästhetische Ansprüche ziehen sich seit den Anfängen wie ein roter Faden durch die Unternehmensgeschichte: Pinin Farina beweist, dass die ästhetische Komponente auch für die Massenproduktion wichtig ist, und wird dadurch zum Mitbegründer des italienischen Automobildesigns. Letztendlich wird die Reputation des Designhauses so groß, dass Italiens früherer Staatspräsident Giovanni Gronchi im Jahre 1961 per Dekret den Spitznamen "Pinin" anerkennt und erlaubte, Farinas Nachnamen in Pininfarina zu ändern.

Cisitalia 202 GT 1948 Fiat 1100 ES 1951 Lancia Aurelia Spider 1951
Maserati A6 GCS 1953 Alfa Romeo Giulietta Spider 1955 Alfa Romeo Superflow 1956

1950 tritt Sergio Pininfarina, Battistas Sohn, in das Unternehmen ein und begleitet die erste größere eigene Produktion (die Alfa Romeo Giulietta in einer Stückzahl von 27.000 Exemplaren). Er nimmt die räumliche Trennung der Gestaltung der Automobile von der Fertigung vor. Bis heute existiert der Grundsatz Pininfarinas, die Distanz zwischen dem schöpferischen Akt und der Produktion zu wahren. Die Denkfabrik und Designschmiede steht im Turiner Stadtteil Cambiano, produziert wird in den Werken in San Giorgio Canavese und Grugliasco.

1957 übernimmt Sergio Pininfarina die Geschäftsführung. Auch andere Designbereiche neben der Automobilgestaltung werden nun erschlossen und Pininfarina Extra gegründet. Das Tochterunternehmen gestaltet Produkte wie Leuchten, Möbel und Accessoires. Heute hat die gesamte Unternehmensgruppe ca. 2.500 Mitarbeiter und bietet den Kunden sowohl die Designentwicklung als auch die Produktion kompletter Fahrzeuge oder Fahrzeugteile.

Chuck Jordan, ehemaliger Designchef bei General Motors, über Sergio Pininfarina: "Als Dirigent eines großen Orchesters bestimmt Sergio Takt, Rhythmus und Interpretation. Seine Philosophie und seine Persönlichkeit spiegeln sich in jeder Pininfarina-Schöpfung wider, und das beweist die fortdauernde Qualität der Entwürfe seiner Firma."
 
Die Modelle des traditionsreichen Unternehmens zeichnen sich über die Jahre hinweg durch ein gleichbleibend hochwertiges Design aus. Pininfarina ist immer noch als unabhängige Designschmiede für die unterschiedlichsten internationalen Automobilhersteller tätig. Zu den Kunden zähl(t)en unter anderem: Peugeot, Alfa Romeo, Fiat, Lancia, Maserati, Cadillac, Nash, General Motors, Bentley, Rolls Royce, Honda, Hyundai, Mitsubishi und Daewoo.
 
Maserati Quattroporte 2003 Audi Quattro Quartz 1981 Lancia 037 Rally Stradale 1982

In erster Linie wird Pininfarina aber mit Ferrari in Zusammenhang gebracht. Das erste Zusammentreffen von Battista Pinin Farina und Enzo Ferrari im Jahre 1951 ist heute gewissermaßen legendär. Man traf sich auf neutralem Boden, näherte sich vorsichtig an – und stellte laut den Memoiren Battista Pinin Farinas fest, dass "beide eine gewisse Bodenständigkeit ohne halbe Sachen" liebten. Enzo Ferrari bemerkte über die Kooperation später: "Meine Ehe mit der Firma Pinin Farina wird noch lange halten. Sie dauert jetzt schon 15 Jahre. Ich erinnere mich daran, wie Pinin staunte, als ich mich ihm öffnete, und wie ich staunte, als er sich mir öffnete. Schlagartig war klar, dass der eine eine schöne und berühmte Frau suchte, um sie einzukleiden, und der andere einen Schneider der Weltklasse, um sich Gewänder anfertigen zu lassen." Insgesamt entstanden mehr als 80 Modelle für Ferrari, die Maßstäbe setzen und ihresgleichen suchen.

Dino 246 GT 1969 Ferrari 365 California Spyder 1966 Ferrari 410 Superamerica 1956
Ferrari 365 GT4 BB 1971 Ferrari 512S Speciale 1969 Ferrari 400i 1982
Ferrari Daytona 1968 Ferrari 612 Scaglietti 2004 Ferrari Rossa 2000


Seit 1991 ist die Pininfarina-Gruppe auch in Deutschland tätig. 70 Mitarbeiter arbeiten bei der in Stuttgart ansässigen Pininfarina Deutschand GmbH an Projektierung und Design.


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