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| Berg-Europameister Hans Ortner war sicherlich ein Liebling von Carlo Abarth, auch wenn dieser sich alle Mühe gab, diese Tatsache in den zehn Jahren gemeinsamer Partnerschaft zu verbergen. Doch Ortner war einer der besten Tourenwagenfahrer der späten sechziger Jahre und außerdem ein verlässlicher Testfahrer, das verschaffte ihm Anerkennung. Ortner wußte mit der rauen Schale des Firmenvaters umzugehen, auch wenn dieser die Seinen in alttestamentarischer Weise auf die Probe stellte. Ortner war dann so manches Mal der Abraham des Herrn. Eines Abends um sechs, als das Werk gesperrt wurde, zitierte Abarth wie immer seine Führungskräfte zur Besprechung, um weitere Projekte minutiös zu planen. Dann thronte er in der Mitte, aufgebaut vor der berühmten Fotowand mit allen großen Rennfahrern, war stets in elegantestes Tuch aus Paris, London, Mailand gekleidet und aß einen Apfel. Seine Mitarbeiter berichteten. Es war die Woche vor dem wichtigen Bergrennen in Leon, und Abarth wollte eine Entscheidung, welches Getriebe nun einzubauen sei. Ortner meinte nur knapp, ermüdet von 1000 Testkilometern an diesem Tag: "Signore, ich bin noch nie im Leben in Leon gefahren, am besten, wir entscheiden vor Ort." Abarth hielt inne, sah durch die Runde und erwiderte noch knapper: "Dann fahren Sie nach Leon und teilen mir morgen früh mit, wie Sie entschieden haben." |
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| Der Chef trägt Sakko | Fiat Abarth OT 2000 1966 | Fiat Abarth 1300 Scorpione 1968 |
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| Fiat Abarth OTSS 1000 1965 | Fiat Abarth 1300 Spider Turbolare 1963 |
| Insgesamt verließen über 200 verschiedene Modelle das Werk in der Corsa Marche, und selbst diese Zahl kann nur als Anhaltspunkt verstanden werden. Denn in Wahrheit glich kein Abarth dem anderen. An jedem wurde bis zur Perfektion getüftelt und gefeilt. Technische Gebrechen traten in den Rennen so gut wie nie auf. Entweder versagte ein zugeliefertes Teil, worauf Abarth schließlich von der Batterie bis zum Kupplungspedal alles selbst anfertigte man kann sich heutzutage auf niemanden mehr verlassen , oder es waren Fahrfehler, die einen Abarth vorzeitig von der Strecke holten. Dann konnte man sich auf ein Gewitter gefasst machen! Einen Abarth zu ruinieren, stellte der Patriarch auf eine Stufe mit den schlimmsten Verbrechen der Menschheit. Oft ordnete er als Folge Sonderschichten an, beurlaubte Fahrer zwangsweise und verschärfte den Zeitplan drastisch. Wer undiszipliniert war, durfte gehen. Manches Mal sogar bevor er überhaupt gekommen war. Unpünktlichkeit und Kritik an seinen Fahrzeugen, das waren zwei Todsünden bei Carlo Abarth. Da konnte es ebenso vorkommen, dass er über die Schulter eines nörgelnden Kunden hinweg seinen Renningenieur zurief: "Dr. Avidano, diesem Herrn verkaufen wir keinen Abarth!" Die beinahe abartige Liebe zu den eigenen Fahrzeugen zeigte natürlich Wirkung. Seine Mechaniker arbeiteten an den Wagen behutsam wie Ärzte am geöffneten Schädel. Diese Behutsamkeit schlug mit 500 bis 600 großen Rennsiegen pro Jahr zu Buche. Dadurch entstand im Laufe der Jahre ein einzigartiger Mythos, vergleichbar mit Ferrari, nur getragen von einer anderen Klientel: den Fahrern legendärer 850er oder 1000er Fiat Abarth, gekennzeichnet durch die gekreuzten Isolierkleber über den Scheinwerfern und die geöffnete Heckklappe übrigens das Glaubensbekenntnis jedes Abarth-Apostels. Abarth wurde zur Religion, und der Aufkleber mit dem Skorpion zum sichtbaren Zeichen der Zugehörigkeit. |