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Carlo Abarth


Der Stachel des Skorpions

Text: Fiat Presse


Carlo Abarth produzierte nicht bloß fürs Auge und schon gar nicht für den Verstand, nicht für die Reichen und nicht für die Armen. Er baute Autos für Menschen mit Leidenschaft und drang dabei tief unter die Haut.

Als der Wiener Motorradfahrer Karl Abarth 1947 zusammen mit seinem Partner Armando Scagliarini die Sportwagenfirma Abarth & Co gründete, feierte Juan Manuel Fangio gerade seine ersten Erfolge im Rennwagen. Als der Patrone Carlo Abarth sein Lebenswerk 1971 an Fiat verkaufte, war Jacky Stewart gerade zum zweiten Mal Weltmeister geworden und Niki Lauda unternahm erste Gehversuche in der Formel-1. Obwohl der Sportwagenbauer Abarth selbst nur einmal mit einem Formel-1-Projekt liebäugelte, so entsprach der Zeitraum seines Schaffes doch den goldenen Jahren des Motorsports. Es war eine andere Zeit und Motorsport eine andere, eigene Welt.

Carlo Abarth Fiat Abarth 750 GT Zagato 1956
Fiat Abarth 1000 TC 1969 Abarth 2000 Sport Spyder 1968 207A Spyder Boano 1955

Rennfahrerei war noch immer von Pioniergeist beseelt, Ingenieure waren Bastler, Sicherheit war Feigheit, Umwelt noch kein Thema und der Weg zum Rennsport einer Elite vorbehalten. Erst Abarth eröffnete dem kleinen Mann einen schmalen Pfad. Er spezialisierte sich auf den Bau kleinvolumiger Sportwagen und demütigte damit die arrivierten Rennställe in zigtausenden Flugplatz-, Berg- oder Straßenrennen. Dabei zeigte er, welche Zutaten dafür notwendig waren: ein großes Herz und die richtigen Teile. Keiner verstand es wie er, kleine Fiats mit Pfiff zu veredeln. Heckklappe auf, Auspuffanlage drauf. Abarth war der Stachel der Unterlegenen. Beim Einsatz am Nürburgring ebenso wie beim Prestigeduell an der Kreuzung.

Eigentlich begann die Karriere des Wieners Karl Abarth auf dem Motorrad. Er fuhr recht erfolgreich Rennen, wurde aber von einem schweren Sturz zurückgeworfen. Danach schaffte er ein Comeback bei den Seitenwagen, wo er auf selbst getunten Maschinen vielfacher Champion wurde. Seine Vorliebe für publicityträchtige Aktionen stellte er schon damals mit einem Wettrennen gegen den Orientexpress, das er natürlich gewann, unter Beweis. Den Schritt nach Italien begründete er später einmal so: "Es gibt kein anderes Land auf der Welt, wo man so wenig Limousinen mit Chauffeuren sieht – Italiener lieben es, ihre Autos selbst zu fahren."
Nur hier also konnte Abarth seinen Traum verwirklichen. Seinen Traum von Autos, die Spaß machen, von Fünfhundertern, die schneller waren als Fahrzeuge mit 1500 ccm. In Turin, einer Stadt, wo Automobilbau Tradition hatte. In Italien, wo man Leidenschaft entwickelt für Menschen mit Leidenschaft. Obwohl Abarth selbst das "Dolce far niente” nie verstand. Er war nicht wie Enzo Ferrari – dagegen sprach seine wienerische Mentalität. Dennoch ist der Vergleich zulässig, weil beide dominant, charismatisch und patenhaft waren; kühl, konsequent, eigensinnig, doch beseelt von der Idee, Erfolge durch Fleiß und Präzision zu erreichen.
Und nirgends ist der Erfolg schöner und unmittelbarer zu spüren als im Rennsport. Deswegen galt Abarths wahres Interesse immer den revolutionären Prototypen, den Rekordjagden und weniger dem Teilverkauf, obgleich ihm dieser Geschäftszweig kommerziellen Erfolg und Weltruhm einbrachte. Abarth war ein Patron, ein Diktator, der an seinen Prinzipien stur festhielt und nur seine Arbeit im Kopf hatte, was er aber auch von anderen verlangte. "Tu lavora" – "Du arbeite!" hörten seine entnervten Ingenieure immer dann - bevorzugt um zehn Uhr nachts - wenn sie Abarth klarmachen wollten, dass seine neueste Vision in einer Sackgasse steckt. Bei aller Härte seiner Forderungen – die Vision war tatsächlich nie in einer Sackgasse, höchstens im Stau. Als Anhänger der Astrologie glaubte er an die Macht seiner Eigenschaften, Ausdauer und Rücksichtslosigkeit. Deshalb trug auch die Firma das Zeichen seines Sternkreises: den Skorpion.